Lexikon

Cap Table

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Cap Table listet alle Eigenkapital-Anteile: Gründer, Investoren, ESOP, Wandeldarlehen.
  • Verwässerung pro Finanzierungsrunde liegt typisch zwischen 15 und 25 Prozent.
  • Saubere Pflege spart in der Due Diligence Wochen.
  • ESOP im Pre-Money verwässert die Gründer, ESOP im Post-Money verwässert den Investor mit.
  • Tools: Carta, Pulley, ledgy. In Pre-Seed reicht ein gut strukturiertes Spreadsheet.

Der Cap Table (Capitalization Table) ist die strukturierte Übersicht aller Eigenkapital-Anteile eines Startups. Er zeigt, wie sich das Unternehmen aufteilt: Gründer, Investoren, Mitarbeiteroptionen (ESOP oder VSOP) und Wandeldarlehen. Vor jeder Finanzierungsrunde simulierst du damit, wer nach der Runde welchen Anteil hält. Ohne sauberen Cap Table läuft keine Due Diligence durch.

Wofür du den Cap Table brauchst

  • Verhandlung mit Investoren. Du simulierst, wie eine geplante Runde dein Cap Table verändert: neues Investment, Pre-Money-Bewertung, ESOP-Auffüllung.
  • Mitarbeiterbeteiligung. Du planst Größe und Verteilung des ESOP-Pools für Senior-Hires.
  • Exit-Szenarien. Du rechnest durch, wer beim Verkauf wie viel bekommt, unter Berücksichtigung von Liquidation Preferences.
  • Due Diligence. Jeder Investor verlangt einen aktuellen, sauberen Cap Table. Unklare Zahlen kosten Wochen.
  • Reporting an bestehende Investoren. Quartalsweise Update mit aktueller Cap-Table-Sicht ist Standard ab Seed.

Wie ein Cap Table aufgebaut ist

Ein professioneller Cap Table hat mehrere Sichten. Die wichtigsten:

  • Common Shares. Stammanteile der Gründer und ESOP-Empfänger.
  • Preferred Shares. Investoren-Anteile mit Sonderrechten (Liquidation Preference, Anti-Dilution, Veto-Rechte).
  • Options Pool. Reservierte Anteile für Mitarbeiterbeteiligung, getrennt nach allokiert und unallokiert.
  • Convertibles. Wandeldarlehen und SAFEs, die in der nächsten Runde wandeln.
  • Fully Diluted View. Alle Anteile, als ob jeder Convertible gewandelt und jede Option ausgeübt wäre. Diese Sicht zeigt die echte Verwässerung.

Beispielrechnung: eine typische Seed-Runde

Vor der Runde halten zwei Gründerinnen je 50 Prozent. Eine Seed-Runde mit 2 Mio. Euro Investment bei einer Pre-Money-Bewertung von 8 Mio. Euro plus einem 10-Prozent-ESOP im Pre-Money sieht so aus:

PositionVor RundeNach Runde
Gründerin A50 %36 %
Gründerin B50 %36 %
ESOP-Pool0 %10 %
Seed-Investor0 %18 %

Beide Gründerinnen verlieren je 14 Prozentpunkte: 4 % durch die Investoren-Beteiligung und 10 % durch den ESOP, weil dieser im Pre-Money geschaffen wurde. Hätten sie den ESOP im Post-Money verhandelt, würde der Investor seinen Anteil von 20 statt 18 Prozent kalkulieren, und beide Gründerinnen behielten je 40 statt 36 Prozent.

Tools im Vergleich

ToolStärkePreis ab
Spreadsheet (Excel, Sheets)gratis, voller Kontrolle0 €
CartaUS-Marktführer, viele Investoren kennen es99 $ / Monat
Pulleyschlanker, gute UX, EU-Datenresidenz120 $ / Monat
ledgySchweizer Anbieter, DACH-Standard ab Seedauf Anfrage

Für Pre-Seed reicht ein gut strukturiertes Spreadsheet mit klaren Tabs für Founder, Angels, ESOP und einer simulierten Folgerunde. Sobald in der Seed-Runde mehrere Investoren plus ESOP plus Wandeldarlehen drinstehen, lohnt sich ein professionelles Tool. Spätestens zur Series A erwarten institutionelle Lead-Investoren ledgy, Carta oder Pulley als Datenquelle.

Häufige Fehler im Cap-Table-Management

  • Nur in einem Excel. Investoren wollen audit-fähige Daten, keine Excel-Datei, die jede Person ändern kann.
  • Wandeldarlehen vergessen. Convertibles wandeln in der nächsten Runde und ändern das Bild deutlich. Plane sie vorab mit Cap und Discount ein.
  • ESOP nicht reserviert. Wer ohne reservierten Pool in die Seed-Runde geht, verteilt später Anteile aus dem Gründer-Topf.
  • Vesting nicht eingetragen. Ohne Reverse Vesting kann eine Gründerin nach drei Monaten gehen und alle Anteile behalten.
  • Pre-Money- vs. Post-Money-ESOP nicht verstanden. Bei großen Pools (10 bis 15 Prozent) macht das pro Gründer einen Unterschied von mehreren hundertstel Prozentpunkten.

Wer pflegt den Cap Table?

In der Frühphase die CEO oder CFO direkt. Ab Series A oft die Finance- oder Legal-Funktion. Anwälte arbeiten parallel an den notariellen Dokumenten, die jede Cap-Table-Änderung formal abbilden. Bei jeder Finanzierungsrunde wird der Cap Table im Datenraum aktualisiert und an alle bestehenden Investoren verschickt.

Fazit

Ein gepflegter Cap Table ist Pflicht ab Tag eins, auch wenn dein Startup nur zwei Gründerinnen und ein paar Friends-and-Family-Investoren hat. Wer früh sauber dokumentiert, spart sich in der ersten ernsthaften Runde Wochen Aufräumarbeit. Und wer die Verwässerung pro Runde simuliert, geht ruhiger in die Verhandlung.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Basic und Fully Diluted Cap Table?

Basic zeigt nur ausgegebene Anteile. Fully Diluted rechnet alle Optionen, SAFEs und Wandeldarlehen als ausgeübt bzw. gewandelt mit. Investoren entscheiden auf Basis der Fully-Diluted-Sicht.

Wann brauche ich ein professionelles Cap-Table-Tool?

Spätestens zur Seed-Runde mit institutionellem Lead. Davor reicht ein strukturiertes Spreadsheet.

Wie oft sollte der Cap Table aktualisiert werden?

Sofort nach jeder strukturellen Veränderung: Hire mit Beteiligung, ESOP-Vergabe, Wandeldarlehen, Anteilsübertragung, neue Runde. Quartalsweise als Pflicht-Check.

Was kostet ein Cap-Table-Tool?

Carta startet bei 99 $ pro Monat, Pulley hat einen kostenlosen Tier für sehr frühe Stage, ledgy nennt Preise auf Anfrage.

Was passiert mit dem Cap Table im Exit?

Bei einem Verkauf bestimmt der Cap Table zusammen mit den Liquidation Preferences, wer wie viel Geld bekommt. Bei einem Börsengang werden alle Anteile in handelbare Aktien umgewandelt, oft mit Lock-up-Perioden.